Leadership auf der Barmelweid: Führung, die Mitarbeitende stärkt

Von Martina Leser und Serge Reichlin
Lesedauer: 4 Minuten

In den vergangenen Monaten hat die Barmelweid intensiv am Thema «Leadership» gearbeitet. Entstanden sind verbindliche Grundlagen zu transformationaler Führung, ein System, das den Erfolg messbar macht und spezifische Schulungen, die alle Führungspersonen absolvieren. Im Blog haben wir mit CEO Dr. med. Serge Reichlin darüber gesprochen.

Was macht eine gute Führungskultur aus? Diese Frage beschäftigt viele Organisationen – und sie steht seit längerer Zeit auch im Zentrum der Weiterentwicklung auf der Barmelweid. In den vergangenen Monaten hat sich die Geschäftsleitung deshalb intensiv mit dem Thema «Leadership» auseinandergesetzt und ein Konzept erarbeitet. Ziel ist es, Führung bewusst zu gestalten, aktiv zu leben und stetig weiterzuentwickeln, denn: «Führen ist weit mehr als nur ein Mitarbeitergespräch (MAG) am Ende des Jahres», erklärt CEO Dr. med. Serge Reichlin.

Vorbild sein, Vertrauen schaffen
Gute Führung ist nicht einfach ein «Nice-to-have» – sie ist entscheidend für den Erfolg eines Unternehmens. Sie prägt die Kultur, beeinflusst die Zusammenarbeit und wirkt sich – im besten Fall natürlich positiv! – auf die Motivation der Mitarbeitenden aus.

«Führen ist weit mehr als nur ein Mitarbeitergespräch am Ende des Jahres», weiss Dr. med. Serge Reichlin.

Dabei beginnt gute Führung bei der eigenen Haltung: «Eine gute Führungsperson ist ein Vorbild. Sie ist authentisch, transparent, offen, motivierend und lebt das, was sie sagt, denn diese Eigenschaften sind alle zentrale Treiber für gute Arbeit und Zufriedenheit seitens der Mitarbeitenden. Gleichzeitig braucht es eine gute Kommunikationsfähigkeit und die Fähigkeit, psychologische Sicherheit zu geben – also ein Umfeld zu schaffen, in dem Mitarbeitende sich einbringen und auch Fehler ansprechen können», weiss Serge Reichlin.

Stimmt das Umfeld, sind die Mitarbeitenden zufrieden und fühlen sich wohl und leisten so bessere Arbeit – und dies wiederum führt zu besseren Ergebnissen. Am Ende profitieren davon auch die Patientinnen und Patienten. Serge Reichlin fasst zusammen: «Funktionierende Führung ist eine Art «Elternship»: Gelebte Leadership setzt Ziele und Grenzen innerhalb bestimmter «Spielfelder» – lässt aber möglichst viel Freiheit, so dass alle innerhalb des Spielfelds und im Rahmen ihrer persönlichen Möglichkeiten teilnehmen können.»

Transformationale Führung als Grundlage
Das Führungsverständnis transformationale Führung der Barmelweid basiert auf den «4I’s» nach Bernard M. Bass*. Dies war ein bewusster Entscheid, denn dieser Führungsansatz geht über klassische, rein auf Zielerreichung ausgerichtete Führung hinaus: Er stellt den Menschen in den Mittelpunkt und verfolgt das Ziel, Mitarbeitende nicht nur zu steuern, sondern sie zu inspirieren, zu fördern und in ihrer Entwicklung zu begleiten.

Das Modell der Barmelweid orientiert sich an den «4I’s» nach Bernard M. Bass.

Passend zu dieser Grundlage hat die Geschäftsleitung der Barmelweid in den vergangenen Monaten die Führungsgrundsätze überarbeitet und ein Leadership-Kompetenzmodell mit 10 zentralen Dimensionen entwickelt. Bemerkenswert: Bei neun von zehn Dimensionen war sich die Geschäftsleitung sofort einig. Alle neu entwickelten und überarbeiteten Leadership-Elemente bilden die Grundlage für die neu eingeführten, obligatorischen Leadership-Schulungen für alle Führungspersonen. «Die Schulungen sind uns sehr wichtig», sagt Serge Reichlin, «deshalb leiten das HR und die Geschäftsleitung sie zusammen, um gemeinsam ein Zeichen zu setzen».

Charisma ist gut, aber vieles ist auch lernbar
Wichtig zu verstehen ist: Nicht jede Führungsperson startet mit den gleichen Voraussetzungen. Während einige bereits viel Erfahrung mitbringen, benötigen andere noch gezielt Unterstützung. Serge Reichlin erklärt: «Nicht jede/r verfügt von Beginn an über Führungsfähigkeiten. Die Persönlichkeit spielt sicher eine Rolle und vereinfacht das Führen vielleicht ein wenig – aber vieles im Thema ‹Leadership und Führung› ist auch lernbar. Hier setzen unsere Schulungen an: Sie vermitteln einerseits Wissen und geben hilfreiche Skills mit auf den Weg, schaffen aber auch ein gemeinsames Verständnis von Führung und von der Kultur, die wir gemeinsam auf der Barmelweid leben wollen».

Auch bei Einstellungsgesprächen von Führungskräften erhält das Thema «Leadership» verstärkt Aufmerksamkeit:  Es wird expliziter darauf geachtet, ob eine Person sich mit den Werten der Barmelweid identifiziert und als Führungspersönlichkeit gut in zur Kultur und zu unserem Führungsverständnis der Barmelweid passt, betont Serge Reichlin.  «Wir fragen die Kandidatinnen und Kandidaten dann zum Beispiel: Kannst du dich mit unseren Werten identifizieren? Was brauchst du zum Führen? Was brauchst du, um dich als Mitarbeiterin, als Mitarbeiter wohlzufühlen beim Geführt-Werden?», erklärt Serge Reichlin. Und: Alle Neuen durchlaufen möglichst zeitnah die neue Leadership-Schulung.

Lean, Leadership und PDCA: Eine starke Dreier-Kombi
Der gewählte Führungsansatz passt bewusst zur Lean-Philosophie, die schon seit einem Jahrzehnt sehr aktiv auf der Barmelweid gelebt wird und gut funktioniert. Lean stammt ursprünglich aus der Industrie, wird heute aber auch im Gesundheitswesen erfolgreich angewendet. Im Zentrum steht dabei die kontinuierliche Verbesserung von Prozessen mit dem Ziel, Verschwendung zu vermeiden und den Nutzen für Patientinnen und Patienten zu maximieren.

Ein zentrales Element von Lean ist, dass Mitarbeitende aktiv in Verbesserungen eingebunden werden. Sie kennen die Abläufe am besten und können wertvolle Impulse liefern. Genau hier trifft sich Lean mit transformationaler Führung: Beide Ansätze setzen auf Eigenverantwortung, Beteiligung und die Entwicklung von Mitarbeitenden. «Beide Ansätze verfolgen ein ähnliches Ziel», erklärt Serge Reichlin, «Es geht darum, unsere Mitarbeitenden dazu zu befähigen, Verantwortung zu übernehmen und Prozesse aktiv mitzugestalten, und dies in einer Umgebung, in der alle Teammitglieder möglichst gut zusammenarbeiten können».

Dabei ist das Leadership-Konzept bewusst nicht in Stein gemeisselt. Es wird gelebt, regelmässig überprüft und bei Bedarf angepasst – ganz im Sinne des PDCA-Kreislaufs, der einen strukturierten Verbesserungsprozess beschreibt: Massnahmen werden geplant, umgesetzt, überprüft und anschliessend weiterentwickelt (Plan–Do–Check–Act). So entsteht ein kontinuierlicher Lern- und Verbesserungszyklus, der sicherstellt, dass Leadership auf der Barmelweid nicht statisch bleibt, sondern sich mit den Anforderungen weiterentwickelt.

Kulturarbeit und Leadership als gemeinsamer Weg
Aktuell ist es der Barmelweid ein Anliegen, alle Führungspersonen mit dem Leadership-Konzept vertraut zu machen. Im Anschluss sollen jedoch auch alle anderen Mitarbeitenden das Leadership-Konzept kennenlernen. «Das ist wichtig, denn am Ende geht es um ein gut funktionierendes Ganzes», weiss Serge Reichlin.

Denn nachhaltige Führung ist keine Einzelaufgabe – sie ist ein gemeinsamer Weg, der nur dann Wirkung entfaltet, wenn er von allen getragen und im Alltag gelebt wird.

Die «4I’s» nach Bernard M. Bass
Die sogenannten «4I’s» – Idealisierted Influence(Vorbild), Inspirational Motivation (Inspiration), Intellectual Stimulation (Veränderung) und Individualised Consideration (Individualität) – beschreiben, wie Führungspersonen ihre Teams stärken können. Im Kern bedeutet das: Führung schafft Orientierung, fördert eigenständiges Denken und nimmt die individuellen Bedürfnisse der Mitarbeitenden ernst. So entsteht eine Kultur, in der Menschen Verantwortung übernehmen und über sich hinauswachsen können.

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