Von Gilbert Büsching und Martina Leser
Lesedauer: 3 Minuten
Eine aktuelle Studie, welche die Klinik Barmelweid in Zusammenarbeit mit dem Universitätsspital Zürich durchführt, erprobt mit Lungenpatientinnen und -patienten in der Physiotherapie das exzentrische Training als neue Trainingsmethode für Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen – und vergleicht sie mit dem klassischen Ausdauertraining.
In einer aktuellen Studie – welche die Klinik Barmelweid in Kooperation mit dem Universitätsspital Zürich durchführt – wird mit Lungenpatientinnen und -patienten in der Physiotherapie eine neue Trainingsmethode für Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen erprobt und untersucht: Das exzentrische Training. Die Untersuchungs-Ergebnisse werden dann mit den Ergebnissen des klassischen Ausdauertrainings verglichen und ausgewertet.
Exzentrisches Training: «Bremsphase» ist besonders effektiv
Doch wie funktioniert das exzentrische Training? Es ist eine Trainingsform, bei der ein Muskel unter Spannung länger wird – das passiert immer dann, wenn der Muskel eine Bewegung kontrolliert abbremst, anstatt sie voranzutreiben.
Ein Vergleich aus dem Alltag hilft dabei beim Verständnis: Viele kennen das Gefühl, dass Bergabgehen die Oberschenkel stark fordert. Genau diese exzentrische Muskelarbeit kann – regelmässig durchgeführt – die Muskelkraft wirksam verbessern.
Diese Art des Trainings ist besonders effektiv, weil sie Muskeln und Sehnen belastbarer macht, die Bewegungskontrolle verbessert und den Körper darauf vorbereitet, Kräfte sicher abzufangen, etwa bei Landungen, Richtungswechseln oder Stopps.

Fallbeispiel aus der Praxis auf der Barmelweid
Die aktuelle Studie will nun herausfinden, ob das exzentrische Training auch für Lungenpatientinnen und -patienten vorteilhaft ist. Doch wie kann das exzentrische Training konkret in der Physiotherapie mit Lungenpatientinnen und -patienten umgesetzt werden?
Dazu geben wir Ihnen am besten ein konkretes Beispiel: Frau W. leidet an einer chronischen Lungenerkrankung mit ausgeprägter Atemnot. Mit dem exzentrischen Training auf der Barmelweid kann sie ihre Muskulatur effektiv aufbauen, ohne Atmung, Herz und Kreislauf stark zu belasten. Zum Einsatz kommt dabei ein spezielles Veloergometer mit Motor: Die Pedalen werden kontrolliert rückwärts angetrieben, während die Patientin mit ihrer Muskelkraft aktiv abbremst (= exzentrische Muskelarbeit, siehe Video).
Gilbert Büsching, Physiotherapeut und Mitglied der Barmelweid Akademie, erklärt: «Der Vorteil des exzentrischen Trainings bei Lungenpatientinnen und -patienten ist, dass die sogenannte «Atempumpe» deutlich weniger beansprucht wird, als beim herkömmlichen Training. Dadurch vertragen die Patientinnen und Patienten das Training besser – ein Effekt, der in früheren Studien bereits belegt wurde.»
Exzentrisches Training ist auch für Gesunde interessant
Auch als gesunde Person können Sie exzentrisches Training gezielt in Ihren Alltag integrieren – etwa durch bewusstes Treppenabwärtsgehen oder Bergabwandern. Das Gute dabei: Der Trainingseffekt ist hoch, das subjektive Anstrengungsempfinden jedoch meist gering(er). Aber Vorsicht: Gerade zu Beginn kann die exzentrische Belastung Muskelkater verursachen!
Auf jeden Fall ist das exzentrische Training ein spannender Ansatz mit grossem Potenzial – und für viele könnte es ein konkreter Trainingsvorsatz für 2026 sein.
Mehr zur aktuellen Studie:
Die Pneumologie und Physiotherapie der Klinik Barmelweid führen diese randomisierte Studie seit rund sechs Monaten in Kooperation mit dem Universitätsspital Zürich durch – 2026 werden erste konkrete Ergebnisse erwartet. Untersucht wird, ob die Interventionsgruppe im Belastungstest mit Atemgasanalyse (Ergospirometrie) gegenüber der Kontrollgruppe mit herkömmlichem Training bessere Resultate erzielt.
Hier geht es zur aktuellen Studie: https://clinicaltrials.gov/study/NCT07042750
Hier geht es zu einer früheren Studie zu diesem Thema: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40258343/